Ein Blick auf den Markt für Schutzlösungen für allein arbeitende Personen
- 23/07/2026
- 15:19
Lesezeit: 9 Min
Leiter Content-Marketing
Jessie Boussard, Vertriebsingenieurin für nationale Kunden bei Securitas Technology, beantwortet drei Fragen zum Markt für den Schutz von allein arbeitenden Mitarbeitern
Sommaire
In zwanzig Jahren hat sich der Begriff „Alleinarbeiter" gewandelt. Wer ist heute betroffen?
Lange Zeit waren PSA-Lösungen (Personenschutzalarm für Alleinarbeiter) nur den Branchen vorbehalten, in denen das Risiko durch die Umgebung selbst bedingt war: Hochrisikoindustrien, Wasseraufbereitung, Arbeiten in engen Räumen. Dieser Anwendungsbereich hat sich erheblich erweitert und umfasst nun einerseits das Risiko im Straßenverkehr und andererseits Tätigkeiten, die früher gar nicht betroffen waren, heute aber verbalen Angriffen oder sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt sind, was ihre Ausstattung voll und ganz rechtfertigt. Dies betrifft etwa Empfangspersonal und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes.
Eine weitere Entwicklung liegt in dem wachsenden Bewusstsein, dass die mit Isolation verbundenen Risiken nicht nur von Natur aus gefährliche Aufgaben oder Berufe betreffen. Ein Mitarbeiter, der ein bis zwei Stunden nach seinen Kollegen allein in einem leeren Büro bleibt, befindet sich technisch gesehen in einer Alleinarbeitssituation, ebenso wie eine Reinigungskraft, die in versetzten Arbeitszeiten arbeitet. Beide könnten sich unwohl fühlen, während sie allein sind, und in beiden Fällen steht die Verantwortung des Arbeitgebers auf dem Spiel.
Diese erweiterte Wahrnehmung befeuert das Wachstum des Marktes für PSA-Lösungen. Diese fließen mittlerweile, wenn schon nicht in Tarifverträge, so doch zumindest in Aktionspläne zur Verbesserung der Arbeitsqualität und zur Risikoprävention sowie in Analysen der CARSAT (französische Berufsgenossenschaft) ein. Auch der Betriebsarzt spielt in bestimmten Branchen eine verordnende Rolle. So ist unsere Kundenstruktur heute wesentlich breiter und vielfältiger als früher.
Wie entscheiden sich Unternehmen für die Einführung einer PSA-Lösung? Und wie nehmen ihre Mitarbeiter diese Werkzeuge wahr?
Es gibt zwei Arten von Kunden. Die Reaktiven, die sich nach einem Vorfall ausstatten – typischerweise nach einem Unfall oder einem Übergriff –, der das Handeln unumgänglich gemacht hat. Und die Proaktiven, die den Schutz von Alleinarbeitern bereits vor jedem Ereignis in ihre Präventionsstrategie integrieren, manchmal auch, weil sie darin einen konkreten wirtschaftlichen Vorteil sehen: Aufzugstechniker oder Wartungspersonal, die historisch zu zweit arbeiteten, können dank eines Geräts, das nur wenige Euro im Monat kostet, nun allein und sicher tätig werden.
Was die Akzeptanz bei den Nutzern betrifft, hängt alles davon ab, wie das Gerät eingeführt wurde. Wird es ohne Erklärung auferlegt, wird es zwangsläufig als Überwachungsinstrument, als zusätzliche Belastung wahrgenommen. Wird es hingegen mit pädagogischer Begleitung eingeführt, ist das Gegenteil der Fall: Die Mitarbeiter fordern es selbst ein.
Es kommt nicht selten vor, dass unsere Operatoren Anrufe von panischen Personen erhalten, weil ihre PSA-App nicht mehr funktioniert: Sie haben vollständig verinnerlicht, dass dieses Werkzeug ihnen nützt und nicht dazu dient, sie zu überwachen. Für sie ist es zutiefst beruhigend zu wissen, dass beim Drücken eines Knopfes jemand antworten wird. Der Schlüssel zur Akzeptanz bei den Nutzern ist zweifellos die Begleitung während der Einführung.
Welchen Platz wird künstliche Intelligenz bei dieser Art von Dienstleistung einnehmen?
Securitas vertritt hierzu eine sehr klare Position: Wir schließen es ausdrücklich aus, die PSA-Verifizierung einer KI zu übertragen. Wenn man jemanden zurückruft, der möglicherweise gerade einen Unfall oder einen Übergriff erlitten hat, befindet sich diese Person in einem Zustand großer Verletzlichkeit, der menschliche Interaktion erfordert. KI wird uns hingegen zunehmend dabei helfen, unsere Operatoren von Aufgaben zu entlasten, die diese menschliche Dimension nicht erfordern. Das konkreteste Beispiel ist die Unterscheidung falscher Videoalarme: Eine KI, die erkennen kann, dass eine Kamera durch einen Ast oder ein Tier ausgelöst wurde, entlastet den Operator, sodass er für PSA-Alarme noch verfügbarer ist. Genau dort ergibt KI für uns Sinn, nicht im Kerngeschäft, sondern als Unterstützung.
Bei den Erkennungsmethoden gibt es kontinuierliche Fortschritte: eine höhere GPS-Genauigkeit, feinere Algorithmen zur Sturzerkennung, eine bessere Ortung innerhalb von Gebäuden. Diese Verbesserungen werden von der Weiterentwicklung der Smartphones selbst getragen, und es handelt sich um eine dauerhafte Anpassungsarbeit. Das Grundprinzip der Lösung wird jedoch keine Revolution erfahren: Die Zuverlässigkeit der menschlichen Kette, die Gewährleistung, dass jedem erkannten Alarm eine schnelle, qualifizierte und der Situation angemessene Bearbeitung entspricht, wird weiterhin das Herzstück des Wertes unserer Dienstleistungen und Lösungen bleiben.
FAQ
Ein Blick auf den Markt für Schutzlösungen für allein arbeitende Personen
Wer fällt heute unter den Begriff „allein arbeitender Arbeitnehmer“?
Der Anwendungsbereich hat sich erheblich erweitert. Über die traditionell risikobehafteten Bereiche (Hochrisikobranchen, Wasseraufbereitung, beengte Räume) hinaus sind nun auch das Straßenverkehrrisiko sowie Berufe betroffen, die zuvor keinem Risiko ausgesetzt waren, wie beispielsweise Empfangspersonal und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, die mittlerweile mit verbalen oder körperlichen Übergriffen konfrontiert sind. Der Begriff erstreckt sich auch auf weniger offensichtliche Situationen: Ein Mitarbeiter, der am Ende des Arbeitstages allein in einem leeren Büro ist, oder ein Reinigungskraft, der in Schichten arbeitet, befinden sich technisch gesehen ebenfalls in einer Situation der isolierten Arbeit.
Wie führen Unternehmen eine PTI-Lösung ein, und wie nehmen die Mitarbeiter diese wahr?
Es gibt zwei Kundenprofile: die „reaktiven“, die sich erst nach einem Vorfall (Unfall oder Übergriff) ausrüsten, und die „proaktiven“, die den Schutz bereits im Vorfeld integrieren, manchmal aus konkreten wirtschaftlichen Gründen (um beispielsweise einem Techniker zu ermöglichen, allein statt zu zweit zu arbeiten). Was die Nutzer betrifft, hängt die Akzeptanz vollständig von der Begleitung ab: Wird das Tool ohne Erklärung auferlegt, wird es als Überwachung wahrgenommen; wird es hingegen gut eingeführt, wirkt es beruhigend, und die Mitarbeiter fordern es sogar selbst ein.
Welche Rolle wird künstliche Intelligenz bei dieser Art von Dienstleistung spielen?
Securitas schließt es ausdrücklich aus, die Überprüfung durch eine KI durchführen zu lassen, da dieser Schritt angesichts einer schutzbedürftigen Person eine menschliche Interaktion erfordert. Die KI ist hingegen nützlich, um die Mitarbeiter von Aufgaben zu entlasten, die diese menschliche Komponente nicht erfordern, wie beispielsweise das Herausfiltern von falschen Videoalarmen (z. B. ein Ast oder ein Tier, das eine Kamera auslöst), damit die Mitarbeiter mehr Zeit für die Alarme haben, die wirklich wichtig sind.